KI im Schulunterricht - päd. Tag an den BBS Ammerland
Werden Lehrkräfte im Nordwesten bald überflüssig?
Im Nordwesten - Künstliche Intelligenz (KI) ist gekommen, um zu bleiben – spätestens mit dem Durchbruch von ChatGPT ist das klar geworden. Auch Schulen im Nordwesten sehen sich mit den Chancen und Risiken von KI konfrontiert. Aus diesem Grund trafen sich Lehrkräften aus der Region an der Berufsbildenden Schule (BBS) Ammerland zum Pädagogischen Entwicklungstag. Das Motto: „KI – Was jetzt lernen? Wie jetzt lernen?“. Es gab viel zu besprechen. (nwzonline vom 15.05.2026 Fabian Vogel Fabian Becker )
Rollenwechsel
„Die Gute Nachricht: Wir sind alle überfordert.“ Diese Worte richtet Bob Blume, Autor und Bildungsinfluencer, direkt zu Beginn seines Vortrags an die Lehrerinnen und Lehrer. Früher sei die Lehrkraft die zentrale Wissensquelle gewesen. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Informationsquellen hinzugekommen – von Wikipedia bis Google. Nun ist auch noch die KI ins Klassenzimmer eingezogen. Braucht man die Lehrkraft da überhaupt noch, fragt Blume. Seine Antwort: Mehr denn je. Nur die Rolle wechsle: Die Begleitung beim Lernen steht klar im Vordergrund.
KI ignorieren bringe nichts, betont Blume. Bereits heute würden die meisten Schülerinnen und Schüler Künstliche Intelligenz verwenden. „Wenn KI nicht in den Unterricht integriert wird, nutzen es die Schülerinnen und Schüler, ohne dass wir es wissen.“ Das Risiko: Schummeln bei den Hausaufgaben, weniger Lernerfolg, ungefilterte Übernahme von Informationen.
Hinterfragen, Überprüfen, Diskutieren
Michael Falkenhain, Lehrer für Mathematik und Informatik, sieht das ähnlich: „Wenn man sich der KI verweigert, verweigert man sich dem Fortschritt und verbaut den Schülern die Zukunft.“ Viele Schülerinnen und Schüler hinterfragen die Ergebnisse der Künstlichen Intelligenz nicht, beobachtet er. „Wichtig ist deshalb, dass die Ergebnisse der KI im Unterricht diskutiert werden.“
Das versucht auch Emily Nowotny umzusetzen. In ihrem Deutsch- und Sozialpädagogikunterricht lässt sie ihre Schülerinnen und Schüler Debatten und Präsentationen mithilfe der KI vorbereiten. Anschließend werden die Ergebnisse reflektiert. So sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, die KI-Antworten richtig zu interpretieren. „Je nach Jahrgang und Wissensstand muss man an unterschiedlichen Punkten ansetzen“, findet Nowotny.
Holger Janßen, Koordinator an der BBS Ammerland und Lehrer für Wirtschaft, Recht und Religion sieht die KI sogar schon als Schulbuchersatz. In seinem Unterricht macht er die Erfahrung, dass seine Schülerinnen und Schüler mithilfe der KI teilweise tiefergehende und spezifischere Fragen stellen – manche von ihnen kann selbst der erfahrene Lehrer nicht beantworten.
Offenheit und Vertrauen
Aber Jansen geht es gar nicht darum, alle Fragen, die die KI aufwirft, sofort beantworten zu können. Ihm ist wichtig, fehlende Kenntnisse auch einzugestehen. Mit dieser Offenheit und Transparenz möchte Jansen ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Schülerinnen und Schülern schaffen. „Es geht mir darum, ein guter Ansprechpartner zu sein.“
Mit Misstrauen kommen Lehrkräfte sowieso nicht weiter, meint auch Bob Blume. Er empfiehlt, die Schülerinnen und Schüler aktiv mit ins Boot zu holen und deren Perspektive einzunehmen.



